Viele Verbundgruppen investieren in digitale Plattformen, weil der Bedarf klar ist: mehr Online-Sichtbarkeit für Mitglieder, zentral ausgespielte Sortimente, effizientere Prozesse und digitale Services, die die Zusammenarbeit innerhalb der Verbundgruppe stärken. Der strategische Ansatz ist richtig und für die Zukunft unabdingbar.
Trotzdem zeigt sich im Alltag häufig, dass die Plattformen nicht den gewünschten Nutzen bringen. Nicht, weil die Idee dahinter falsch wäre. Sondern weil das Setup nicht konsequent an den tatsächlichen Anforderungen von Verbundgruppe und Mitgliedern ausgerichtet ist.
Eine Plattform ist für Verbundgruppen kein Selbstzweck. Sie darf kein reines IT-Thema und auch kein Prestigeobjekt sein. Ob neu geplant oder bereits im Einsatz, sie muss einen konkreten Mehrwert für die Verbundgruppe und ihre Mitglieder schaffen.
Für die Zentrale bedeutet das in der Regel:
Für die Mitglieder ist vor allem entscheidend, was die Plattform im Alltag konkret verbessert. Entsprechend stehen oft sehr pragmatische Fragen im Vordergrund:
Genau deshalb liegt die Herausforderung oft nicht in der grundsätzlichen Idee einer Plattform, sondern in ihrer konkreten Ausgestaltung im Alltag. Entscheidend ist, ob das Setup tatsächlich zu den Anforderungen der Verbundgruppe und ihrer Mitglieder passt.
Viele Verbundgruppen starten mit einem breiten Lastenheft. Die Plattform soll möglichst flexibel sein, jedes Bedürfnis aller Mitglieder abdecken und mögliche künftige Anforderungen direkt enthalten. Dieser Gedanke ist nachvollziehbar. In der Praxis führt er aber häufig dazu, dass die Plattform schon in der ersten Phase zu groß, zu komplex und zu allgemein angelegt wird.
Auf dem Papier wirkt das vorausschauend. Im Arbeitsalltag der Verbundgruppe wird genau das oft zum Problem.
Bestimmte Muster tauchen dabei immer wieder auf.
Viele Plattformprojekte starten mit sehr ambitionierten Erlöserwartungen. In den Planungen wird oft davon ausgegangen, dass sich die Plattform relativ schnell wirtschaftlich trägt oder sogar neue Umsatzpotenziale für die Verbundgruppe erschließt.
Typische Einnahmequellen sind zum Beispiel:
Diese Modelle funktionieren grundsätzlich. In der Realität entwickeln sich die Erlöse jedoch meist langsamer als ursprünglich angenommen.
Plattformen brauchen Zeit. Mitglieder müssen eingebunden werden, Sortiment und Inhalte wachsen schrittweise, Reichweite entsteht erst nach und nach und das Vertrauen der Endkunden entsteht nur schrittweise.
Wenn gleichzeitig ein technisch aufwendiges Setup aufgebaut wird, entsteht schnell ein Ungleichgewicht: Die Plattform verursacht hohe Kosten, während die Erlöse noch im Aufbau sind.
Viele Plattformprojekte scheitern deshalb nicht an der Idee – sondern an zu optimistischen Erwartungen über die Geschwindigkeit, mit der Plattformen wirtschaftlich skalieren.
In vielen Plattformprojekten wird sehr intensiv über Funktionen, Architektur und mögliche Erlösmodelle gesprochen. Deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommt oft die Frage, welche laufenden Kosten eine Plattform tatsächlich verursacht.
Dabei beschränken sich diese Kosten nicht auf die technische Entwicklung. Eine Plattform bringt dauerhaft organisatorischen und operativen Aufwand mit sich.
Dazu gehören zum Beispiel:
Gerade diese laufenden Aufwände werden in frühen Planungsphasen häufig unterschätzt oder nur teilweise berücksichtigt.
Die Plattform wird dann primär als technisches Projekt betrachtet. In der Realität ist sie jedoch vor allem ein dauerhaftes Geschäftsmodell mit kontinuierlichem Betriebsaufwand.
Wenn diese Perspektive fehlt, entsteht schnell eine Lücke zwischen dem geplanten Setup und der organisatorischen Realität der Verbundgruppe.
Viele Plattformprojekte werden gemeinsam mit Agenturen oder Systemintegratoren umgesetzt. Diese bringen viel technisches Know-how und Erfahrung aus großen Plattformprojekten mit.
In vielen Fällen orientiert sich das vorgeschlagene Setup daher an technischen Best-Practices aus großen E-Commerce-Umgebungen:
Aus technischer Sicht ist das häufig gut begründet. Für die Realität von Verbundgruppen ist es jedoch völlig überdimensioniert - Unternehmen benötigen einen Plattformumsatz von mindestens 100 Mio. EUR, um eine solche komplexe Umsetzung wirtschaftlich sinnvoll betreiben zu können.
Die Plattform ist unnötig komplex, sehr teuer im Betrieb und schwierig weiterzuentwickeln. Gleichzeitig steigen die Abhängigkeiten von Agenturen und Dienstleistern.
Das Problem ist also nicht, dass eine gute Architektur gewählt wird. Das Problem entsteht, wenn die Architektur nicht zur tatsächlichen Nutzungssituation der Verbundgruppe passt.
Gerade in Plattformprojekten entsteht häufig der Wunsch, eine individuelle Lösung zu entwickeln. Viele Verbundgruppen möchten eine Plattform, die exakt zu ihren Strukturen, Prozessen und Mitgliedern passt.
Die Argumente dafür wirken zunächst überzeugend:
In der Praxis führt dieser Ansatz jedoch oft dazu, dass Plattformen sehr aufwendig entwickelt und langfristig schwer wartbar werden.
Eigenentwicklungen bedeuten häufig:
Ein weiterer Effekt wird dabei oft unterschätzt: Wenn Systeme individuell entwickelt werden, werden häufig bestehende Prozesse eins zu eins digital nachgebaut.
Dabei sind diese Prozesse nicht immer optimal. Sie sind über Jahre gewachsen, enthalten Sonderfälle oder spiegeln interne Strukturen wider, die für eine Plattformlösung eigentlich gar nicht notwendig wären.
Statt die Gelegenheit zu nutzen, Abläufe zu vereinfachen und zu standardisieren, werden sie im System technisch verfestigt. Das erhöht die Komplexität der Plattform und erschwert spätere Weiterentwicklungen.
Gerade Plattformprojekte bieten eigentlich die Chance, Prozesse neu zu denken und zu vereinfachen – nicht nur, sie digital zu reproduzieren.
Viele Plattform-Setups sollen von Anfang an möglichst viele Anforderungen gleichzeitig abdecken. Das wirkt zunächst vorausschauend. In der Praxis fehlt dadurch jedoch oft die klare Entscheidung, was für die Verbundgruppe und ihre Mitglieder zuerst wirklich relevant ist.
Statt auf einen sauberen, nutzbaren Kern zu fokussieren, fließen zu viele Themen parallel ein. Dazu gehören zum Beispiel:
Dadurch wird das Setup schnell zu breit, zu komplex und zu wenig fokussiert. Die Plattform kann dann vieles abbilden, löst aber die wichtigsten Anforderungen nicht klar genug.
Ein tragfähiges Plattform-Setup zeichnet sich nicht durch maximale Komplexität aus, sondern dadurch, dass es die Anforderungen der Verbundgruppe sinnvoll abbildet.
Für Verbundgruppen bedeutet das:
Nicht jede denkbare Funktion muss zum Start vorhanden sein. Entscheidend ist, welche Funktionen die Mitglieder wirklich brauchen und welche Prozesse zentral sinnvoll gesteuert werden sollten.
Mitglieder profitieren nicht von unnötiger Individualität im System. Sie profitieren von klaren, wiederholbaren und gut unterstützten Prozessen.
Automatisierungen entlasten die Zentrale und die Mitglieder im Alltag. Sie vereinfachen wiederkehrende Abläufe, reduzieren manuellen Aufwand und helfen dabei, Prozesse effizienter und verlässlicher zu gestalten.
Je leichter sich neue Mitglieder anbinden lassen, desto größer ist die Chance auf echte Skalierung innerhalb der Verbundgruppe.
Ein Plattformmodell muss nicht nur technisch funktionieren, sondern auch wirtschaftlich tragfähig sein. Entscheidend ist, dass laufende Kosten, interner Aufwand und Weiterentwicklung in einem sinnvollen Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen stehen.
Anforderungen ändern sich. Märkte ändern sich. Mitglieder entwickeln sich weiter. Deshalb muss eine Plattform anpassbar sein, ohne dass jede Weiterentwicklung mit hohem Aufwand, langen Abstimmungen oder unnötig hohen Kosten verbunden ist.
Eine Plattform kann technisch noch so gut durchdacht sein – wenn sie im Alltag nicht gern genutzt wird, bleibt ihr Potenzial begrenzt.
Gerade für Mitglieder einer Verbundgruppe muss die Nutzung möglichst einfach und intuitiv sein. Prozesse sollten klar verständlich sein, Oberflächen übersichtlich und typische Aufgaben mit wenigen Schritten erledigt werden können.
Wenn Mitglieder merken, dass die Plattform ihnen tatsächlich Umsatz generiert, Arbeit abnimmt, Zeit spart oder zusätzliche Sichtbarkeit bringt, steigt die Akzeptanz ganz automatisch.
Eine gute Plattform wird dann nicht als Pflichtsystem wahrgenommen, sondern als hilfreiches Werkzeug im täglichen Geschäft.
Wenn klar ist, dass das bestehende Plattform-Setup nicht passt, braucht es eine strategische Entscheidung. Grundsätzlich gibt es drei Wege: die Plattform einstellen, das bestehende Setup weiterentwickeln oder die Lösung durch Replatforming neu aufsetzen.
In manchen Fällen ist es sinnvoll, eine Plattform konsequent zu beenden. Vor allem dann, wenn der Aufwand dauerhaft hoch ist, die Nutzung gering bleibt und kein realistischer Weg erkennbar ist, daraus ein wirtschaftlich tragfähiges Modell zu entwickeln.
Für Verbundgruppen ist dieser Schritt jedoch weitreichend, weil damit auch digitale Chancen, Sichtbarkeit und Entwicklungsmöglichkeiten für die Mitglieder verloren gehen. Eine Schließung sollte deshalb nur dann in Betracht gezogen werden, wenn weder Optimierung noch Replatforming sinnvoll erscheinen.
Die bestehende Plattform bleibt im Einsatz und wird schrittweise weiterentwickelt. Das ist sinnvoll, wenn das Grundsetup tragfähig ist und sich die zentralen Schwächen mit vertretbarem Aufwand beheben lassen. In solchen Fällen kann es sinnvoller sein, gezielt nachzuschärfen, statt sofort einen größeren Umbruch anzustoßen.
Problematisch wird dieser Weg, wenn bereits klar erkennbar ist, dass Struktur, Nutzbarkeit oder Wirtschaftlichkeit nicht mehr passen. Alle Warnsignale sollten angehen, wenn die Weiterführung mit “Aber wir haben schon so viel in die Plattform investiert” begründet wird. Dann fließt weiterhin wertvolles Budget in ein teures Setup, das die Verbundgruppe und ihre Mitglieder nur begrenzt unterstützt.
Replatforming ist dann sinnvoll, wenn die grundsätzliche Idee der Plattform weiterhin trägt, das bestehende Setup jedoch nicht zu den Anforderungen der Verbundgruppe und ihrer Mitglieder passt.
Im Unterschied zur reinen Weiterentwicklung geht es beim Replatforming nicht darum, einzelne Schwächen zu überarbeiten, sondern das Plattform-Setup grundsätzlich neu zu bewerten und gezielt neu aufzustellen. Dabei wird hinterfragt, welche Funktionen wirklich gebraucht werden, wie viel Komplexität sinnvoll ist, welche Prozesse automatisiert werden sollten und welches Modell langfristig tragfähig ist. Ziel ist nicht mehr Technik, sondern ein besser passendes Setup.
Für Verbundgruppen kann genau das der sinnvollste Weg sein, wenn die Plattform weiterhin eine wichtige Rolle spielen soll, aber in ihrer aktuellen Form nicht überzeugt. Replatforming schafft die Möglichkeit, die gewonnenen Erfahrungen sinnvoll einzusetzen, gewachsene Strukturen zu vereinfachen, den Betrieb wirtschaftlicher aufzustellen, Mitglieder besser mitzunehmen und wieder eine belastbare Grundlage für die nächsten Jahre zu schaffen. Damit wird nicht nur ein technisches Problem gelöst, sondern die Plattform wieder zu einem Werkzeug, das die Verbundgruppe tatsächlich unterstützt.
Viele Verbundgruppen scheitern nicht an der Idee einer Plattform, sondern an einem Setup, das zu komplex gedacht, technisch zu aufwendig aufgebaut oder im Alltag nicht konsequent an den tatsächlichen Anforderungen ausgerichtet wurde. Genau darin liegt auch die Antwort auf die Frage, was man dagegen tun kann: nicht noch mehr Funktionen auf ein unpassendes Modell aufbauen, sondern das Setup ehrlich bewerten. Wenn Nutzen, Aufwand, Kosten und Weiterentwicklungsfähigkeit nicht mehr zusammenpassen, braucht es eine klare Entscheidung. Manchmal reicht gezielte Optimierung. Manchmal ist Replatforming der sinnvollere Weg. Entscheidend ist, dass die Plattform zu dem wird, was sie sein soll: ein wertvolles Werkzeug für die Verbundgruppe und ihre Mitglieder.
Wenn ihr prüfen möchtet, wie tragfähig euer aktuelles Plattform-Setup noch ist und wo sinnvoller Handlungsbedarf besteht, sprechen wir gern mit euch darüber. Unser Team ist für einen unverbindlichen Austausch erreichbar. Einfach hier einen Termin buchen: Kalender