Software-Vergleich: Erstellung und Betrieb von Online-Marktplätzen

Der Aufbau eines eigenen Online-Marktplatzes wird für viele Unternehmen immer attraktiver. Plattformmodelle ermöglichen es, das eigene Sortiment zu erweitern, zusätzliche Händler zu integrieren und neue Umsatzquellen zu erschließen.

Unternehmen wie Amazon, Zalando oder Etsy zeigen, wie stark Plattformökonomien skalieren können. Entsprechend wächst auch das Interesse von Herstellern, Handelsunternehmen und Verbundgruppen, einen eigenen Online-Marktplatz aufzubauen.

Doch eine zentrale Frage stellt sich früh im Projekt:

Welche Software eignet sich für die Erstellung und den Betrieb eines Online-Marktplatzes?

Der Markt für Marketplace-Software hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Es gibt mehrere erfolgreiche Anbieter mit starkem Fokus auf den deutschen Markt.

Dieser Artikel vergleicht vier wichtigsten  Anbieter:

  • Mirakl

  • Spryker

  • commercetools

  • Platoyo

Neben Funktionsumfang betrachten wir auch Komplexität, Kostenstruktur und Integrationsaufwand.

Vergleich von Marketplace-Software (Funktionsumfang & Kosten)

Annahmen für den Vergleich

Der folgende Vergleich basiert auf einem typischen Marktplatzprojekt mit Standard-Setup. Dabei wird davon ausgegangen, dass folgende Komponenten enthalten sind:

  • Marketplace-Core
  • Händlerportal
  • Frontend / Storefront
  • Produktsuche
  • Checkout
  • ERP-Integration
  • Cloud-Infrastruktur

Paymentkosten sind nicht enthalten, da sie unabhängig von der Plattform entstehen.

Detaillierter Funktionsvergleich der wichtigsten Marketplace- Software- Anbieter

Bevor Kosten oder Architektur betrachtet werden, lohnt sich ein Blick auf den Funktionsumfang der verschiedenen Plattformen.

Marketplace-Software unterscheidet sich stark darin, welche Funktionen bereits integriert sind und welche durch zusätzliche Systeme ergänzt werden müssen. Besonders wichtig sind dabei Funktionen wie Händler-Onboarding, Angebotsmanagement, Order-Routing und Händlerabrechnung.

Die folgende Tabelle zeigt, welche Funktionen in den jeweiligen Plattformen typischerweise enthalten sind und welche häufig über externe Systeme oder individuelle Implementierungen ergänzt werden müssen.

 

Funktion Mirakl Spryker commercetools Platoyo
Marketplace Core        
Seller-Onboarding ✔️ ✔️ ✔️
Seller-Dashboard ✔️ ✔️ ✔️
Seller-Produktverwaltung ✔️ ✔️ ✔️
Mehrere Händler pro Produkt ✔️ ✔️ ✔️
Händler-Provisionen ✔️ ✔️ ✔️
Händler-Abrechnung ✔️ ✔️ ✔️
Seller-Auszahlungen extern extern extern extern
Händler-Rollen & Rechte ✔️ ✔️ ✔️
 Produktkatalog         
Produktkatalog  ✔️   ✔️   ✔️   ✔️ 
Varianten & Attribute  ✔️   ✔️   ✔️   ✔️ 
Produktdatenimport  ✔️   ✔️   ✔️   ✔️ 
Angebotsmanagement  ✔️   ✔️   ❌   ✔️ 
 Bestellmanagement         
Order-Routing  ✔️   ✔️   teilweise   ✔️ 
Split Orders  ✔️   ✔️   teilweise   ✔️ 
Versandtracking  ✔️   ✔️   teilweise   ✔️ 
Retourenmanagement  ✔️   ✔️   teilweise   ✔️ 
 Commerce-Funktionen         
Frontend / Storefront  ❌   ✔️   ❌   ✔️ 
Checkout  ❌   ✔️   ❌   ✔️ 
Warenkorb  ❌   ✔️   ✔️   ✔️ 
Promotions / Gutscheine  ❌   ✔️   ✔️   ✔️ 
CMS / Content  ❌   optional   ❌   ✔️ 
 Suche & Discovery         
Produktsuche  extern   extern   extern   ✔️ 
Filter & Facetten  extern   extern   extern   ✔️ 
Ranking / Relevanz  extern   extern   extern   ✔️ 
 Integrationen         
Payment Integration  extern   extern   extern   extern 
ERP Integration  ✔️   ✔️   ✔️   ✔️ 
PIM Integration  ✔️   ✔️   ✔️   ✔️ 
API-first Architektur  ✔️   ✔️   ✔️   ✔️ 
 Analytics & Reporting          
Händler-Reporting  ✔️   ✔️   teilweise   ✔️ 
Umsatz-Reports  ✔️   ✔️   ✔️   ✔️ 
Plattform-Analytics  ✔️   ✔️   teilweise   ✔️ 
 Plattformbetrieb         
 Multi-Tenant Support   ✔️   ✔️   ✔️   ✔️ 
 Internationalisierung   ✔️   ✔️   ✔️   ✔️ 
 Multi-Currency   ✔️   ✔️   ✔️   ✔️ 

Die Tabelle zeigt deutlich, dass sich die Plattformen in ihrem Architekturansatz unterscheiden.

Anbieter wie Mirakl und CommerceTools fokussieren sich auf den Marketplace-Core und ergänzen fehlende Commerce-Komponenten wie Frontend oder Produktsuche über APIs und externe Systeme.

Andere Plattformen wie Spryker und Platoyo bieten zusätzlich umfangreiche Commerce-Funktionen wie Checkout, Promotions oder Content-Management, teilweise voll integriert (Platoyo) oder über Extra-Module und Entwicklungen (Spryker).

Kostenvergleich zwischen den wichtigsten Marketplace-Software Anbietern

Die folgenden Kosten sind Schätzwerte und basieren auf typischen Implementierungsprojekten im deutschsprachigen Markt. Sie beziehen sich auf das oben definierte Standard-Setup eines Online-Marktplatzes mit Frontend, Backend, Produktsuche sowie der Integration der wichtigsten Systeme.

Die angegebenen Kosten spiegeln daher nicht nur die Lizenz- oder Nutzungskosten der jeweiligen Plattformen wider, sondern berücksichtigen auch externe Services, die bei einzelnen Lösungen notwendig sind, um fehlende aber zwingend notwendige Funktionen (z. B. Suche, Frontend oder weitere Commerce-Komponenten) zu ergänzen.

Die Schätzungen basieren auf öffentlich verfügbaren Informationen sowie Erfahrungswerten von Marktteilnehmern. Die tatsächlichen Kosten können je nach Projektumfang, Integrationsaufwand und individuellen Anforderungen variieren.

Ziel des Vergleichs ist es nicht, exakte Projektkosten vorherzusagen, sondern eine realistische Größenordnung für unterschiedliche Architekturansätze im Marketplace-Bereich zu vermitteln.

Der größte Kostenunterschied zwischen Plattformen entsteht meist nicht durch die Softwarelizenz, sondern durch Integrations- und Entwicklungsaufwand.

Kostenstruktur

 Anbieter  Setupkosten (inkl. Frontend, Suche, Integrationen)   Fixkosten / Monat   Variable Plattformkosten 
 Mirakl   500k – 1,5 Mio €   30k – 90k €   teilweise GMV-basiert 
 Spryker   500k – 2 Mio €   25k – 80k €   selten GMV-basiert 
 commercetools   250k – 600k €   15k – 70k €   volumenabhängig 
 Platoyo   40k – 120k €   5k – 20k €   teilweise GMV-basiert 

Updates und Wartung der Marketplace-Plattformen

 Plattform   Updates Software des Anbieters   Wartungsaufwand  Gesamtsystem 
 Mirakl   automatisch   mittel 
 Spryker   manuell   hoch 
 commercetools   automatisch   mittel 
 Platoyo   automatisch   gering 

Die automatischen Updates beziehen sich meist nur auf die Software des Anbieters selbst. Der Gesamtbetrieb eines Marktplatzes umfasst jedoch häufig mehrere Systeme wie Frontend, Produktsuche oder ERP-Integrationen, die separat gepflegt werden müssen. Je mehr Teile des Gesamtsystems von einem Anbieter bereitgestellt werden, umso geringer ist in der Regel der Wartungsaufwand.

Welche Marketplace-Software lohnt sich ab welcher Marktplatzgröße?

Neben Funktionsumfang und Kosten spielt auch die geplante Größe eines Marktplatzes eine wichtige Rolle bei der Auswahl des richtigen Plattform-Anbieters..

Einige Systeme sind für sehr große Plattformprojekte mit hohem Handelsvolumen und großer Flexibilität konzipiert, während andere Lösungen speziell für Branchen-Marktplätze mit Fokus auf hohe Effizienz entwickelt wurden.

Die folgende Übersicht zeigt, ab welcher Größenordnung ein Marktplatz mit einer bestimmten Plattform typischerweise wirtschaftlich sinnvoll betrieben werden kann.

 Projektanforderung  Mirakl  Spryker  commercetools  Platoyo 
 wirtschaftlich sinnvoll ab  ~100 Mio € GMV  ~50 Mio € GMV  ~30 Mio € GMV  ~1 Mio € GMV 
 typische Marktplatzgröße  sehr groß  groß  mittel bis groß  klein bis mittel 
 Retail-Marktplatz  sehr gut geeignet  geeignet  geeignet  sehr gut geeignet 
 B2B-Marktplatz  geeignet  sehr gut geeignet  geeignet  teilweise 
 Branchen- / Verbundgruppen-Marktplatz  geeignet  geeignet  geeignet  sehr gut geeignet 
 Integrationsaufwand  hoch  sehr hoch  hoch  gering 
 Implementierungs-
geschwindigkeit 
mittel  gering  gering  hoch 
 Betrieb ohne Entwicklerteam  selten  selten  selten  immer 
 Internationalisierung  sehr gut geeignet  sehr gut geeignet  sehr gut geeignet  sehr gut geeignet 

Der GMV (Gross Merchandise Volume) beschreibt den gesamten Warenwert, der über einen Marktplatz verkauft wird. Einige Plattformen rechnen sich wirtschaftlich erst ab einer bestimmten Marktplatzgröße, da Implementierungs- und Betriebskosten relativ hoch sein können.

Fazit

Die Wahl der richtigen Marketplace-Software hängt stark von der geplanten Größe, Komplexität und Architektur eines Marktplatzprojekts ab.

Während Enterprise-Plattformen wie Mirakl oder Spryker besonders für große Handelsplattformen geeignet sind, können spezialisierte Lösungen für Branchen-Marktplätze eine deutlich schnellere und kosteneffizientere Umsetzung ermöglichen.

Unternehmen sollten bei der Auswahl insbesondere auf folgende Faktoren achten:

  • Funktionsumfang der Plattform

  • Integrationsaufwand

  • Gesamtkosten der Implementierung

  • geplante Marktplatzgröße (GMV)

Häufige Fragen zur Marketplace-Software

Was ist Marketplace-Software?

Marketplace-Software ist eine Plattform, mit der Unternehmen einen eigenen Online-Marktplatz betreiben können. Im Gegensatz zu einem klassischen Online-Shop können auf einem Marktplatz mehrere Händler ihre Produkte anbieten. Die Plattform übernimmt dabei typischerweise Funktionen wie Händler-Onboarding, Produktverwaltung, Order-Routing und Provisionsabrechnung.

 

Was ist der Unterschied zwischen einem Online-Shop und einem Online-Marktplatz?

Ein Online-Shop verkauft Produkte eines einzelnen Händlers oder Unternehmens. Ein Online-Marktplatz hingegen ermöglicht es mehreren Händlern, ihre Produkte über eine gemeinsame Plattform anzubieten.

Die Plattformbetreiber übernehmen dabei typischerweise Funktionen wie:

  • Händler-Onboarding

  • Produktkatalogverwaltung

  • Order-Routing

  • Provisionsabrechnung

Bekannte Beispiele für Marktplätze sind Amazon, Zalando oder Etsy.

 

Was kostet die Entwicklung eines Online-Marktplatzes?

Die Kosten für einen Online-Marktplatz hängen stark von der gewählten Plattform, Individualisierungsgrad und den notwendigen Integrationen des Projekts ab.

Marktplatzprojekte starten bei 50.000 bis 100.000 € und können auch weit über 1 Mio € kosten.

Ein Marktplatz mit hohem GMV kann technisch auch mit vergleichsweise schlanker Architektur betrieben werden, während ein Marktplatz mit geringerem Handelsvolumen durch komplexe Integrationen deutlich höhere Projektkosten verursachen kann.

 

Wie verdient ein Online-Marktplatz Geld?

Online-Marktplätze nutzen in der Regel mehrere Einnahmequellen:

  • Verkaufsprovisionen auf Bestellungen

  • monatliche Händlergebühren

  • Gebühren für Premiumplatzierungen oder Werbung

  • zusätzliche Services für Händler

Das häufigste Modell ist eine Provision auf den GMV

 

Wie lange dauert der Aufbau eines Online-Marktplatzes?

Die Implementierungsdauer hängt stark von Plattform, Integrationen und Projektumfang ab.

Typische Projektlaufzeiten sind 3 Monate bis zu 24 Monate, abhängig von dem gewählten Plattformsystem, den notwendigen Integrationen und der Geschwindigkeit des Händler-Boardings.

 

Wie viele Händler braucht ein erfolgreicher Marktplatz?

Es gibt keine feste Zahl. Entscheidend ist weniger die Anzahl der Händler als:

  • ein attraktives Sortiment

  • ausreichende Produktverfügbarkeit

  • eine klare Zielgruppe

Viele erfolgreiche Marktplätze starten zunächst mit 10–50 Händlern und wachsen anschließend schrittweise. 

 

Welche Integrationen sind für einen Marktplatz typischerweise notwendig?

Ein Online-Marktplatz wird meist mit mehreren Systemen integriert, zum Beispiel:

  • ERP-System (Warenwirtschaftssysteme der Händler)

  • PIM-System (Produktstammdaten und -informationen)

  • Payment-Provider

  • Produktsuche (abhängig vom Plattformanbieter, manchmal auch integriert)

  • Logistiksysteme (abhängig vom Plattformanbieter, manchmal auch integriert)

Die Integration dieser Systeme ist häufig einer der größten Kostenfaktoren eines Marktplatzprojekts.

 

Kann ein Marktplatz mit einer bestehenden Shop-Plattform aufgebaut werden?

Ja, grundsätzlich kann ein Marktplatz auch auf Basis eines bestehenden Shopsystems entstehen. Dafür sind jedoch meist zusätzliche Komponenten notwendig, zum Beispiel für:

  • Händlerverwaltung

  • Angebotsmanagement

  • Provisionsabrechnung

  • Erweiterung der Suche

  • Erweiterung des Checkouts (Einkauf über mehrere Händler hinweg)

Viele Unternehmen entscheiden sich deshalb für spezialisierte Marketplace-Plattformen.

 

Was bedeutet GMV bei Online-Marktplätzen?

Der GMV (Gross Merchandise Volume) beschreibt den gesamten Warenwert aller Bestellungen, die über einen Marktplatz abgewickelt werden.

Der GMV wird in der Regel vor Retouren, Bestellablehnungen und Steuern berechnet. Das bedeutet, dass er den Wert der ursprünglich bestellten Waren widerspiegelt, nicht den tatsächlich realisierten Umsatz der Händler oder der Plattform.

 

Braucht man Entwickler für einen Online-Marktplatz?

Das hängt stark von der gewählten Plattform ab. Bei den meisten Marketplace-Plattformen ist ein eigenes Entwicklerteam (oder eine entsprechende Agentur) erforderlich.

Andere Plattformen ermöglichen auch eine Implementierung mit geringerem oder keinem Entwicklungsaufwand, insbesondere wenn sie als SaaS-Lösung betrieben werden.

 

Welche Marketplace-Software ist die beste?

Die „beste“ Marketplace-Software hängt stark von den Anforderungen des jeweiligen Projekts ab. Wichtige Faktoren bei der Auswahl sind beispielsweise:

  • gewünschte Flexibilität der Plattform

  • geplante Marktplatzgröße (GMV)

  • Integrationsaufwand

  • vorhandene Entwicklerressourcen

Der Vergleich in diesem Artikel zeigt die Unterschiede zwischen verschiedenen Plattformansätzen.

Kontakt

Für weitere Informationen stehen die einzelnen Plattform-Anbieter gerne zur Verfügung:

Mirakl
https://www.mirakl.com/contact-us 

Spryker
https://spryker.com/contact 

commercetools
https://commercetools.com/contact

Platoyo
https://www.platoyo.com/contact

 

Über Platoyo

Platoyo bietet eine KI-gestützte Komplettlösung für den Betrieb hochprofessioneller Omnichannel Plattformen. Als Software as a Service (SaaS) Lösung ermöglicht sie eine unkomplizierte Umsetzung von der Plattform-Idee zum Launch in kürzester Zeit. Ohne technische Risiken, flexibel, individuell angepasst und hochskalierbar!

Die Omnichannel-Lösung von Platoyo wird von mehr als 3.000 Händlern mit über 25 Millionen Produkten auf 30+ Plattformen in 5 Ländern genutzt.

Der Anspruch des SaaS-Unternehmens aus Bayern: Wir behandeln jedes Kundenprojekt, als wäre es unser eigenes!

 

WHO'S WRITING

Laura Beyer

Head of Communications @ Platoyo